Sprache hat Macht.

Ehrenmann. Perle der Natur. Krieg gegen den Terror. Sprache kann polarisieren, verführen, begeistern, heilen und zerstören. Worte beeinflussen, was wir fühlen, was wir denken, was wir erinnern. Und wie wir handeln. Sprache beeinflusst unsere Einstellungen zu Personen, Politik und selbstverständlich Produkten.

Die Sprache der Jugend.

Die wohl kreativste Sprache. Neu-Wort-Schöpfungen, Umdeutungen oder Verballhornungen (was für ein altmodisches Wort ;-)) sind an der Tagesordnung. Gerade wurde das Jugendwort des Jahres gewählt „Ehrenmann“. Bedeutet es eigentlich so etwas wie „Ein meist adliger Mann, auf dessen Wort man sich verlassen kann“, so bedeutet es im Jugendjargon etwa „Ein Mann, der etwas Besonderes für einen tut“. Im letzten Jahr war es „I bims“ – ich bin’s. Knapp verloren hatte „vong … her“, das es dann sogar auf Plakatwände geschafft hat.

Vong Marketing her.

In der Werbung sollen uns mehr oder weniger lustige Sprüche zum Kauf animieren – oder besser „manipulieren“. Forscher einer Hochschule im Harz haben ein interessantes Experiment gemacht: Testpersonen bekamen zwei identische (!) Tees angeboten – mit unterschiedlichen Namen: „Tropical Feeling“ und „Vor dem Kamin“. Das Ergebnis: Der „Tropical Feeling“ wurde als deutlich erfrischender, fruchtiger und exotischer wahrgenommen.

Worte beeinflussen also auch unser Geschmackserlebnis. Und das nicht nur bei Tees. Kekse werden als schmackhafter erlebt, wenn sie mit „nach Omas Rezept gebacken“ beworben werden. Getränke als fruchtiger, wenn sie exotische Namen haben. Und Biere als erfrischender, wenn sie mit der „Perle der Natur“ gebraut wurden.

Ich bin doch nicht blöd.

Oder auf wessen Steine können Sie bauen? Oder wo werden Sie geholfen? Nichts ist unmöglich … Na? Warum bleiben uns Werbesprüche so lange im Gedächtnis, auch wenn sie schon seit Jahren nicht mehr eingesetzt werden? Toyota setzt die singenden Affen in den 90er Jahren ein – und trotzdem kennen den „Spruch“ heute noch viele.

Wenn Slogans an Sprichwörter angelehnt sind, sich reimen („Haribo macht Kinder froh“),  provozieren („Ich bin doch nicht blöd“ oder „Geiz ist geil“ von Saturn) oder einfach absurd (missverständlich, grammatikalisch falsch) sind („Come in and find out“ von Douglas oder „Hier werden Sie geholfen“ von der Telefonauskunft), bleiben sie länger im Gedächtnis.

Lindnern, merkeln und wullfen.

Zur Zeit kommt man beim Thema Sprache nicht an der Politik vorbei. Ob man nun „lindnert“ (ist nicht dabei), „merkelt“ (Synonym für Nichtstun) oder „wullft“ (materielle oder finanzielle Geschenke anderer einfach annehmen). Namen von Politikern werden zu Synonymen ihrer Aussagen. Und sind gleichzeitig mit Emotionen behaftet. Wie der Ausdruck „Krieg gegen den Terror“, den George Bush nach dem 11.9.2001 geprägt hat. Ein Absurdum in sich.

Sprache macht Stimmung. Sprache manipuliert. Sprache beeinflusst unser Handeln. Worte können zerstören, trösten, bewegen, berühren. Deshalb noch ein passendes chinesisches Sprichwort zum Schluß:

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

Zum Thema. Ganz persönlich.

Kürzlich las ich einen schönen Vergleich:
Worte sind wie Wassertropfen, die auf eine Boden fallen. Wenn sie oft genug fallen, wird etwas wachsen. Je nach Wasser-Qualität: duftende Rosen oder stachelige Kakteen.


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